Resilienz lernen und erleben

Widerstandskraft lässt sich lernen

Der Begriff Resilienz kommt aus dem lateinischen und bedeutet so viel wie „abprallen“ oder „zurückspringen“ und wurde ursprünglich in der Physik verwendet. Als neue Definition in unserer Umgangssprache steht der Begriff für die Widerstandskraft und Stabilität einer Person. Wer resilient ist, so sagt man, greift auf persönliche und soziale Ressourcen zurück und meistert Krisen souverän und zielsicher.


Doch wie wird, oder ist man resilient?


In der Resilienzforschung sprechen Genetiker von einer Erbanlage für Vertrauensbildung. Bereits in den 90er Jahren fanden Molekulargenetiker einen Erbfaktor namens 5-HTTLPR. Dieses Serotonin-Transporter-Gen reguliert den Serotoninstoffwechsel im Gehirn. Serotonin ist ein Hormon, das im Volksmund auch als Glücksgen bezeichnet wird. Die Forscher entdeckten von diesem Glücksgen 2 Varianten. Eine Kurze und eine Lange. Menschen mit der langen Variante des Gens sind seelisch stabiler und können mit Schicksalsschlägen besser umgehen.
Weiterhin haben die Forscher herausgefunden, dass 5-HTTLPR auch für das Enzym zuständig ist, das das Stresshormon Noradrenalin abbaut.
Die gute Nachricht dabei ist, zur Resilienz gehört viel mehr. Sie umfasst auch Techniken und Strategien, die erlern- und trainierbar sind.

Wie schon erwähnt, ist die Resilienz ist bei uns Menschen verschieden stark ausgeprägt. Die Grundlagen für die Widerstandskraft sind genetisch angelegt und werden in der Kindheit gelegt. Wer im Kindesalter Wertschätzung, Ermutigung und Unterstützung erfährt, wird psychisch widerstandsfähiger.

Die gute Nachricht: Auch im Erwachsenenalter kann die psychische Widerstandsfähigkeit wesentlich verbessert werden. Doch es braucht Geduld und Zeit, um festgefahrene Denkmuster zu identifizieren und Handlungsmuster zu verändern.

Diese 8 Persönlichkeitsmerkmale bestimmen die Resilienz:

 

1. Akzeptanz

Menschen, die resilient sind, akzeptieren Veränderungen und nehmen sie an. Veränderungen sind Teil unsers Lebens und durch die Akzeptanz werden Herausforderungen bewältigbarer. Resiliente Menschen akzeptieren, dass es nicht immer eine Lösung gibt und legen den Focus vertrauensvoll auf andere Dinge im Leben.
Wie heißt es so schön in einem Sprichwort: „Energie folgt dem Fokus“

 

 

Tipp: Akzeptieren Sie das Unvermeidbare
Akzeptieren Sie in Ihrem Leben unvermeidbare Dinge, die Sie selbst nicht beeinflussen können. Das können z.B. Verhaltensweisen anderer Personen sein, oder auch eigene störende Verhaltensmuster. Jammern, Klagen oder wütend sein verbessert die Situation nicht und schadet nur uns selbst.
Und jede Münze hat auch eine Kehrseite, eine positive und eine negative, also alles hat auch etwas Positives in sich.
Nutzen Sie die Magie Ihrer Gelassenheit und schon fällt Ihnen vieles leichter. Malen Sie sich ihr Leben bunt aus und nutzen Sie die Kraft der Imagination.

2. Positive Emotionen

Es ist nicht immer alles rosarot oder hellblau. Jeder Mensch erlebt alle Facetten des Lebens -  Freude und Leid. Entscheidend ist, wie stark wir mit den jeweiligen Emotionen umgehen und wie stark wir sie wahrnehmen. Ein wichtiges Kriterium ist an dieser Stelle die Emotionsregulation. Resiliente Menschen erleben nicht weniger belastende Situationen. Sie orientieren sich an den positiven Ereignissen, nehmen diese bewusst wahr und geben ihnen mehr Raum. Sie „nähren“ die schönen Seiten des Lebens.

 

Tipp: Dankbarkeits und Glückstagebuch führen
Führen Sie ein Dankbarkeits/ Glückstagebuch, in dem Sie schöne und angenehme Ereignisse eines Tages eintragen. Schreiben Sie jeden Tag drei schöne  Ereignisse in Ihr Glückstagebuch. Das können auch schon Kleinigkeiten sein, wie z.B. ein schöner Sonnenaufgang, ein nettes Gespräch mit einer Freundin oder der vielzitierte, herbeigewünschte Parkplatz   Die schriftliche Dokumentation kann für eine „Rückschau“ genutzt werden.

3. Optimismus
Wem ist es nicht schon so ergangen, dass eine Krise letztendlich einen guten Ausgang hatte und sich im Nachhinein alles besser und positiver entwickelt hat, als vorher gedacht. Resiliente Menschen setzen ihren Optimismus gezielt für einen positiven Ausgang in verschiedenen Angelegenheiten ein und aktivieren dadurch die eigenen Ressourcen für positive Lösungen. Nach durchstandenen Krisen wächst das Vertrauen in sich und so auch kommende Krisen zu meistern. Optimistische Menschen haben Mut und ergreifen Chancen die sich ergeben. Und das stärkt das Durchhaltevermögen.

Tipp: Hinderliche Haltungen Glaubenssätze refraimen
Haltungen Glaubenssätze sind Überzeugungen und Einstellungen, die sich in unserem Leben durch Erfahrungen geprägt haben und unsere Handlungen und unsere Lebenseinstellung beeinflussen.
Oft ist es so, dass wir erst durch Schicksalsschläge unsere „Prägungen“ durchleuchten und hinterfragen.
Negative Glaubenssätze behindern unsere Kreativität und schränken unseren Handlungsspielraum ein.
Identifizieren Sie Glaubenssätze, die Ihnen nicht gut tun und bringen Sie sie in einen anderen Rahmen (Refraiming)

4. Positive Selbstwahrnehmung
Die eigene Wertschätzung ist ein entscheidendes Kriterium psychisch widerstandsfähiger Menschen. Sie richten die Aufmerksamkeit auf sich selbst und nicht auf andere Umstände und Personen. Sie bewerten sich und ihr Leben positiv und sind sich ihrer Fähigkeiten bewusst. So benötigen sie weniger Anerkennung von außen.
Sie sehen sich in keiner Opferrolle und ändern bestehende Situationen zu ihren Gunsten.

 

Tipp: Angewohnheiten reflektieren
Welche Angewohnheit möchten Sie an sich ändern? Finden Sie eine Eigenschaft, die Sie in ihrem Leben stört und betrachten Sie diese aus einem anderen Blickwinkel. Vielleicht bringt sie Ihnen sogar einen Vorteil.
Betrachten Sie die Eigenschaft aus der Metaperspektive und deuten Sie negativ empfundene Angewohnheiten um, das stärkt Ihre Selbstwahrnehmung und Selbsteinschätzung.

 

5. Orientierung auf die Lösung
Resiliente Menschen schaffen neue, kreative Lösungen, aktivieren eigene Ressourcen und verwandeln Probleme in Chancen und Möglichkeiten. Jeder konstruiert seine eigene Realität und ob wir etwas als Problem oder Herausforderung wahrnehmen ist das Ergebnis unserer eigenen Denkweisen. Die Lösungsorientierung ist von unserer persönlichen Einstellung abhängig. Ziel dabei ist, möglichst viele Ansätze für neue gewinnbringende Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln.

 

Tipp: Raus aus der Problemhaltung – Handlungskompetenz stärken
Kommen Sie vom Grübeln ins Handeln und entfliehen Sie der Problemtrance. Achten Sie auf Ihre Gedanken, denn ständiges Problemdenken kann sich manifestieren. Menschen in einer Problemtrance haben immer weniger Vertrauen, ihre Probleme selbst lösen zu können. Sätze wie: „ich würde gerne, ich möchte gerne – aber“ sind an der Tagesordnung
Lösungsorientiertes Handeln setzt positives Denken, Reden und Handeln voraus. Steve de Shazer, Begründer des Lösungsfokusierten Coachings bringt dieses Thema in seinen Thesen auf den Punkt.

 

„Wenn es funktioniert mach mehr davon.
Wenn das, was Du tust nicht funktioniert, dann mach etwas anderes.“ (Steve de Shazer)

6. Selbstwirksamkeitserwartung
Resiliente Menschen sind davon überzeugt, unterschiedliche Aufgaben und Situationen selbst zu meistern. Sie haben die Fähigkeit ihre Befindlichkeiten Situationsgerecht zu steuern und können sich je nach Bedarf selbst beruhigen oder motivieren. Durch die Selbstregulation der eigenen Gefühle halten sie Ihren Gemütszustand in Balance und vertrauen ihren Kompetenzen. Das Zusammenspiel der beiden Gehirnhälften, dem schnellen Wechsel zwischen dem Verstand (linke Gehirnhälfte) und dem emotionalen Erfahrungsgedächtnis (rechte Gehirnhälfte) spielt dabei eine entscheidende Rolle. Der Ausdruck: „Wie ein Fels in der Brandung“ ist eine sehr gute Metapher für wirksame Strategien um mit Stress umzugehen.
Das Feiern eigener Erfolge und ein positives Selbstfeedback lässt eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung wachsen.

 

Tipp: Reflektieren Sie Ihre bisherige Erfolge
In Situationen, bei denen Sie meinen, hilflos ausgeliefert zu sein, blicken Sie auf Ihre bisherigen Erfolge zurück. Stärken Sie Ihre Selbstwirksamkeitserwartung in dem Sie an vergangene Situationen zurückdenken, in denen Sie ein positives Ergebnis erzielt haben. Schauen Sie bewusst auf Ihre eigenen Fähigkeiten und eingesetzten Handlungsalternativen, die Sie eingesetzt haben um ein positives Ergebnis zu erzielen. Machen Sie sich auch bewusst, dass Sie der gegenwärtigen Situation nicht ausgeliefert sind.
Vertrauen Sie auf Ihr Leben, Sie schaffen das auch diesmal wieder.

7. Soziales Netzwerk
Der Ausbau qualitätsvoller Beziehungen ist für die Resilienz eines Menschen von zentraler Bedeutung. Oft helfen in belastenden Situationen ein Netzwerk aus Familienangehörigen und Freunden. Netzwerke erzeugen Synergieeffekte und werden getragen von Wertschätzung und Empathie. Je stabiler soziale Netzwerke sind, desto mehr kann mit Hilfe und Unterstützung gerechnet werden und das bietet ein gefestigtes Grundgerüst.
Eine schöne Balance zwischen Geben und Nehmen und das Einbringen von Wissen und Fähigkeiten freundlicher Menschen gibt allen Beteiligten Kraft für sich selbst.

 

Tipp: Soziale Kontakte ausbauen
Seien Sie sich nicht zu schade, bitten Sie andere um Hilfe und nehmen Sie sie an.
Die Hilfsbedürftigkeit steht niemandem ins Gesicht geschrieben und oft ahnt das Umfeld nicht, dass Unterstützung benötigt wird.
Wer seinen Mitmenschen freundlich und hilfsbereit gegenübertritt, kann mit einer Win Win Situation rechnen und erhält auch Unterstützung und Hilfe zurück. Pflegen Sie Freundschaften und den Kontakt zu ihrer Familie und gehen Sie respektvoll mit Ihnen um,so bauen Sie neue Netzwerke auf. Oft ist eine zweite oder dritte Meinung schon hilfreich. Und wenn Sie selbst Unterstützung und Hilfe benötigen, fragen Sie höflich und Ihr soziales Netzwerk ist für Sie da.

8. Die Zukunft planen und gestalten
Mit erfrischten Ideen und „Aufräumen im Leben“  gelingt es die Zukunft neu und positiv zu bewerten und zu planen. Neue Chancen und Möglichkeiten ergeben sich und es ist schön neue Optionen für einen Leben in Eigenregie zu führen.
Resilienz ist ein ganzheitliches Persönlichkeitsentwicklungskonzept und wie ein Muskel, der durch Übung trainiert werden muss.
Jeder der acht Säulen ist für eine ausgeglichene Entwicklung von gleicher Bedeutung und muss ein einem aktiven Lernprozess trainiert werden. So integrieren wir neue Verhaltens und Denkmuster in unser Leben. Es lohnt sich auf jeden Fall für alle die ein aktiveres und selbstbestimmteres Leben führen möchten

Tipp: Zukunft gestalten
Für resiliente Menschen bedeutet die Zukunft unabhängig ihrer Vergangenheit  neue Chancen und Möglichkeiten. Sie setzen von sich aus Initiativen und steuern ihre eigene Entwicklung. Dabei ist es wert, Denkgewohnheiten und Vorannahmen zu überprüfen, denn wir verhalten uns unbewusst so, dass unsere Einschätzungen möglichst bestätigt werden. Mit klarer Zielsetzung und Evaluierung der einzelnen Abschnitte verlieren resiliente Menschen die entscheidenden Absichten nicht aus den Augen. Visionen und überdauernde Wertevorstellungen geben Orientierung. Die schöpferischen Ideen des Unbewussten und der brennende Wunsch, sie zu verwirklichen geben eine ungeahnte Kraft, Hindernisse zu überwinden und Rückschläge zu verkraften.

Über die Autorin:
Andrea Grün ist zertifizierter Business Coach, Trainerin DVNLP und beschäftigt sich mit den Themen Kommunikation, Teamentwicklung, Vertrieb – Marketing und agilen Methoden wie Design Thinking.

Zu Ihren Kunden gehören KMU’s, Einzelunternehmen und auch Einzelpersonen.
Sie hat 2008 ihr eigenes Start Up im Mechanical Engineering Bereich gegründet, das mittlerweile zu den führenden Technologieführern im Bereich "Digital Prototyping" gehört. Dort hat Sie hat den Bereich Marketing und Vertrieb verantwortet. Seit 2014 ist sie fester Bestandteil bei x-emotion.
Privat ist sie verheiratet, hat 2 Kinder und wohnt im wunderschönen Saarland.