Handlungsmotivation

Das Rubikonmodell der Handlungsphasen

Neues Jahr - neues Glück

 

Der Jahresbeginn birgt für viele eine neue Motivation voll durchzustarten und gesetzte Ziele zu erreichen. Die Meisten verbinden damit einen Neustart ein Motivationsgefühl für mehr Sport, gesunde Ernährung, das anpacken neuer Projekte und vieles mehr.

 

Wenn wir unsere Ziele gefunden haben und wir wissen, was wir wollen, sind wir schon einen wesentlichen Schritt voraus. Und damit sie nicht nur ein Teil unserer Fantasie bleiben, gibt es viele Tipps und Übungen für die sich erfüllende Zielerreichung und Wunscherfüllung. 

Da gibt es z.B. die SMARTE Zielformulierung.

 

Das heißt Ziele sollten spezifisch, messbar, erreichbar, realistisch und einen zeitlichen Rahmen haben.

 

S – (Specific) Spezifisch
M - (Measurable) Messbar
A - (Achievable) Erreichbar
R - (Realistic) Realistisch
T - (Time framed) Zeitrahmen

Weiterhin gibt es Unmengen an Tipps zur Zielerreichung, wie z.B.

  1. Die Zieldefinition – was genau möchte ich, was macht mich glücklich und welcher Sinn steckt dahinter
  2. Den Wunsch ans Universum schicken – „der goldene Schlüssel zur Zielerreichung“
  3. Das Ziel positiv formulieren - und auf Formulierungen wie "nicht" - "kein" - "nie" verzichten
  4. Die Visualisierung des Zieles – die bildhafte Vorstellung des bereits erreichten Ziels
  5. Die Strategie – Engagement und sich voll und ganz auf die Tätigkeit einlassen
  6. Die Ausführung – positive Gefühle, Freude und ein entspanntes „Fließen lassen“ sollten hier die erste Priorität haben
  7. Das Ergebnis – positive Beziehungen ob im familiären Umfeld, Freundeskreis oder im Berufsleben

In unserem Blog behandeln wir das Rubikon Modell der Handlungsphasen, das im Gegensatz zu traditionellen Motivationstheorien eine Auswahl an Zielen und die Realisierung in einem Modell vereint.

 

Dazu erst eine kleine Geschichte und die Metapher, die sich dahinter verbirgt.


„Cäsar überschreitet den Rubikon“


Der Rubikon ist ein Fluss, den es wirklich gibt und zwar in Norditalien und in die Adria mündet.
Im Januar 49 vor Christus überschritt Julius Caesar mit seinem Heer den Fluss Rubikon in Norditalien, er griff das Römische Reich an. Er machte damit einen entscheidenden Schritt, durch den er später zum Alleinherrscher über das gesamte römische Imperium wurde.
Der Ausdruck „den Rubikon überschreiten“ steht noch heute dafür, sich auf eine riskante Handlung einzulassen und ist das Synonym für ein psychologisches Handlungsmodell, das Rubikonmodell der Handlungsphasen von Heinz Heckhausen und Peter Gollwitzer, das in der Motivationstheorie einen großen Stellenwert hat.

 

Die vier Schritte im Rubikon Modell sind im Erreichen eines Ziels kennzeichnend und sucht Antworten auf folgende Fragen:
Unter welchem Hintergrund wählt eine Person ihre Ziele aus? Wie sieht die Realisierung aus? Wie ist die Planung? Und zu guter Letzt – wie bewertet sie die Ergebnisse?


Diese vier Schritte stellen wir Ihnen im Folgenden vor:

1. Die prädezisionale Motivationsphase – Abwägen

 

In der Abwägephase bieten sich mehre Möglichkeiten und Handlungsalternativen. Es geht darum, die Erwartungen gezielt abzugleichen und den Wert eines Ziels aufzuspüren. Es wird geprüft, welche Motive dahinterstecken um den persönlichen Nutzen herauszufinden. Die Wahl ist vor allem von der Erfolgsabsicht und den individuellen Werten der Person abhängig.


Die Frage: Wie fühle ich mich dabei? – ist entscheidend, denn emotionale Prozesse und ein gutes Gefühl spielen dabei eine wichtige Rolle und aktivieren mentale Prozesse zur wirksamen Umsetzung. Nach Heckhausen ist der Rubikon überschritten, sobald die Entscheidung für die Handlungsalternative gefallen ist.

2. Die postdezisionale Volitionsphase – Planen

 

Mit der Überschreitung des Rubikons gelangt man von der motivationalen Phase in die Planungsphase (Volitionsphase). Es geht um die Fragen, welchen Weg muss man wie gehen, um seine gesetzten Ziele zu erreichen, der Fokus verschiebt sich also auf die Informationen, die für die Umsetzung notwendig sind.
Da die Volitionsphase sehr realitätsorientiert ist, wird hier möglichst viel Input gesammelt und Handlungsmöglichkeiten bezüglich ihrer Wünsch- und Umsetzbarkeit abgewägt, ausgewertet und in ein umsetzbares Handlungsformat, also die Vorgehensweise übersetzt.

 

Die Handlungsschritte werden in dieser Phase gedanklich schon durchgespielt.

Die Ausführung der ersten beiden Phasen lässt Rückschlüsse auf die Charaktereigenschaften eines Menschen ziehen. Die Motivationsphase fällt bei impulsiven Menschen eher kurz aus, bei detailiert orientierten Menschen wird die Planungsphase genauestens durchdacht und durchgeführt. Letztendlich sind es unsere Erfahrungen, die uns bei der „Handlungs“motivation leiten.

3. Die aktionale Volitionsphase – Handeln


Die dritte Phase, die aktionale Volitionsphase erfordert die meiste Energie. Man begibt sich hier in eine Willensphase. Überschneiden sich die zweite und dritte Phase erscheinen die Handlungsmuster experimentell und spielerisch. ( Querverbindung Lerntheorien Thorndike Lernen durch Versuch und Irrtum)


Das Ziel sollte im Auge behalten werden um bei unvorhersehbaren Schwierigkeiten flexibel und kreativ zu agieren.


Empfehlenswert ist es, in der aktionalen Volitionsphase Entspannungsphasen einzubauen und auf ein aktives Ressourcenmanagement zu achten.

4. Die postaktionale Motivationsphase – Bewerten


Wie der Name es schon sagt, geht es in der vierten und letzten Phase um die Bewertung der Ergebnisse und der Verwirklichung der anfänglichen Ideen und Wünsche.
Konnten die bestehenden Motive und das Ziel erreicht werden? Ursachen für Erfolg oder Mißerfolg werden reflektiert und Erklärungen dafür gesucht. Das Ergebnis kann wunderbar im KVP Prozess für die Retrospektive genutzt werden um künftige Verbesserungen in der Projektplanung zu erreichen.

 

Fazit: Welchen Nutzen hat das Rubikonmodell und wo können wir es einsetzten?


In der Pädagogik und Psychologie ist das Rubikonmodell ein idealtypisches Modell und gibt Erklärungen für menschliches Handeln.
Motivationsbasierte Entscheidungen finden nicht immer in der beschriebenen Reihenfolge statt und Kriterien wie die intrinsische und extrinsische Motivation sich entscheidend für die entsprechende Haltung.

 

Wenn man die Realität betrachtet ist die Handlungsmotivation ein iterativer Prozess, also es gibt zwischen den einzelnen Phasen ein hin und her und viele empfinden, dass das Planen und Handeln gleichzeitig stattfindet. Unter Berücksichtigung und Kenntnis des Rubikon Modells können wir Strategien auswählen, um unsere Ziele mit höchstmöglicher Effizienz zu erreichen.

 

Mögliche Optimierungsoptionen:

  • Aufmerksamkeitskontrolle: Die Fokussierung auf das Ziel – Ausblenden möglicher Hindernisse. (Querverbindung Lerntheorien Bandura Phase 1 Prozess 1 - Lernen am Modell)
  • Motivationssteigerung: Durch die Fokussierung ist die Priorität der Zielerreichung immer präsent und wir haben das Ergebnis vor Augen.
  • Emotionalität: Wir lenken die Aufmerksamkeit auf die positiven Aspekte, die bei der Umsetzung Hoffnung auf Erfolg und Zuversicht versprechen.
  • Umweltaspekte berücksichtigen: Durch die strategische Vorgehensweise können wir Ziele planmäßig durchführen und Störfaktoren vorzeitig erkennen.

 

Eines sollte man jedoch bei allen Zielsetzungen nicht vergessen:

 

"Das Erreichen eines Zieles ist etwas Vorübergehendes,

das Auf-dem-Weg-Bleiben eine lebenslange Aufgabe"     (Ernst Ferstl)

 

Über die Autorin:
Andrea Grün ist zertifizierter Business Coach, Trainerin DVNLP und beschäftigt sich mit den Themen Kommunikation, Teamentwicklung, Vertrieb – Marketing und agilen Methoden wie Design Thinking.

Zu Ihren Kunden gehören KMU’s, Einzelunternehmen und auch Einzelpersonen.
Sie hat 2008 ihr eigenes Start Up im Mechanical Engineering Bereich gegründet, das mittlerweile zu den führenden Technologieführern im Bereich "Digital Prototyping" gehört. Dort hat Sie hat den Bereich Marketing und Vertrieb verantwortet. Seit 2014 ist sie fester Bestandteil bei x-emotion.
Privat ist sie verheiratet, hat 2 Kinder und wohnt im wunderschönen Saarland.